Pieter de Graaf

„Equinox“  repräsentiert eine Evolution der Jahreszeiten, eine subtile Verschiebung zu etwas Neuem – So, wie es PIETER DE GRAAF selbst erlebt hat und worin ihn das Album bestärkt.

„Equinox“ (deutsch: Tagundnachtgleiche). Eine Zeit der Veränderung. Der Moment, in dem Extreme zusammenkommen, in Balance und perfekter Harmonie. „Es ist repräsentativ dafür, wie ich heute Musik mache und wie ich lebe“, sagt der gefeierte niederländische Pianist und jüngste Gewinner des Edison Classical Music Award PIETER DE GRAAF. Der perfekte Titel für seine neue Sammlung von zehn betörenden Titeln: einige ruhig und klagend, andere von einer rastlosen Energie nur so strotzend. Alle bauen auf der warmen, filmischen Erhabenheit seines Debütalbums „Fermata“ und seinem Status als einer der hellsten Sterne am Neoklassik-Himmel auf.

PIETER DE GRAAF hatte schon immer eine rastlose Seele. Ein Bedürfnis, das Neue und Interessante zu entdecken. Als Kind spielte er die Beatles und sprang in der nächsten Minute direkt zu Chopin; Als Student am renommierten Konservatorium von Rotterdam (Codarts) wich Jazz dem Spielen mit Orchestern und der Erforschung des Hip-Hop. Und so folgte 2019 auf „Fermata“ (ein Album, bei dem sich der Pianist wirklich viel Zeit nahm, um zu erforschen und zu schreiben, indem er sorgfältig Songs aus einzelnen Tönen und Dreiklängen aufbaute) die EP „Vortex“, ein Wirbelwind von einem Projekt, bei dem er mit Loops und Electronica experimentierte und mit dem renommierten Beat-Macher und Multi-Instrumentalisten Binkbeats zusammenarbeitete. Auf dem aktuellen Album „Equinox“bezieht er auf subtile Weise die elektronischen Texturen und eine gewisse Nervosität ein, von der de Graaf so fasziniert ist – jedoch stets verwurzelt in seiner tiefen Liebe zu romantischer, emotionaler Klaviermusik. Es ist ebenso diese Nervosität, die er selbstbewusst genug fühlte, um sie alleine zu bewältigen. „Ich mache jetzt viel mehr alleine – das Produzieren, das Arrangieren, das Optimieren meines Setups. Fast alles kommt von mir, bin ich.“

Als „Heilung“ beschreibt er die Zeit, in der er sich ganz auf sein Instrument fokussiert und genießt. Und er kann sich zu Recht gesegnet fühlen, denn vor einigen Jahren sah alles ganz anders aus. Damals wurde bei ihm eine lähmende RSI-Verletzung diagnostiziert. Seine Arme, Handgelenke und Finger hatten nicht die Kraft, die zum Klavierspielen erforderlich war. Nicht in der Lage, die Ursache zu finden, sagten ihm die Ärzte, dass er nie wieder spielen würde. Doch nach einer langen, schwierigen Rehabilitationsphase ist er wieder auf der Klavierbank, eifrig wie immer und mit starkem Willen, sich zu neuen Höhen zu treiben. Dieser persönliche Kampf lehrte ihn Beharrlichkeit und die Bedeutung von Hoffnung – Eigenschaften, die er auch in „Equinox“  einfließen ließ.

Die Positivität zieht sich durch alle zehn Tracks, vom hellen, kristallinen „In Circles“  bis zum munteren, verspielten „Miss Undutchable“. Bei „OCD“ enthüllt de Graaf sogar erstmalig seine Stimme. „Equinox“  ist de Graaf, der akzeptiert, wie und wer er ist, und mit seiner Persönlichkeit arbeitet, nicht dagegen. „Ich bin kein Denker, ich bin ein Fühler“, sagt er. Der Schritt, damit in Frieden zu leben und die widersprüchlichen Aspekte seines Lebens in Einklang zu bringen, war aufschlussreich. Jetzt vertraut er auf seinen Instinkt. Tag und Nacht sind gleich lang.