Fortuna Ehrenfeld

„Fortuna Ehrenfeld treffen mitten ins Herz!“ (Stern)

Das ausverkaufte Konzert in der Kölner Philharmonie hätte der krönende Saisonabschluss eines sauber gemeisterten Jahres werden sollen. Als die vermaledeiten Umstände des unwägbaren Jahres 2020 der Band das unter dem Hintern wegzogen, tönte es entspannt aus dem Ehrenfelder Fortuna Studio: „Mund abputzen, weitermachen, Erdbeereis für alle!“ Schon im nächsten Atemzug setzte sich Martin Bechler (Kopf und Autor der Kölner Band, die den Geheimtipp-Status längst verlassen hat) daran, das durchrenovierte Raumschiff FORTUNA EHRENFELD für neue Abenteuer zu betanken. Umjubelte Tourneen durch den gesamten deutschsprachigen Raum, himmelhochjauchzende Pressekritiken, unzählige Konzerte in den unterschiedlichsten Settings. Den Fortunesen scheinen die Ideen partout nicht auszugehen und so wirft man sich mit dem alten, neuen Schwung ins Was-immer-auch-komme-zwo-einundzwanzig.

Mit Jenny Thiele (Keys, Voc) und Jannis Knüpfer (Schlagzeug) zelebriert das Trio mit scheinbar blindem spielerischen Verständnis einen querliegenden Indie-Pop, der an Reibung und Strahlkraft seinesgleichen sucht und aus der deutschsprachigen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken ist. Hinter Songtiteln wie „Zwei Himmel”, „Der Ablativ von Bumm” oder „Das ist Punk, das raffst Du nie” versteckt sich eine seltene Poesie, eine Mischung aus Verletzlichkeit und Eigensinn, weitab vom Mainstream, und mit Martin Bechler als kreativem Füllhorn. FORTUNA EHRENFELD wackelt nicht, zaudert nicht — sondern liefert ab. Mit geradem Rücken. Mit großem Herzen. Und mit einem Extrapack Flausen, der ihnen schön chaotisch durchs Oberstübchen flattert.

Ein französisches Album, ein eigener Rotwein, Espresso-Blends edelster Güte und als neuester Streich ein illustriertes Kinderbuch: Hier scheint ein nimmermüder Gestalter am Werk zu sein, dessen Weg von Jahr zu Jahr spannender wird. Vier Alben in nur drei Jahren – der Verdacht liegt nahe, dass Bechler für das nächste Kapitel dieser ungewöhnlichen Reise ein weiteres im Ofen hat. Aber noch schweigt der Ehrenfelder.

Photo: © Michael Haegele